OB Wahl 27.01.2008 – RNZ


Bericht: Rhein-Neckar Zeitung, 12.01.2008

OB Schaidhammer:
„Wir dürfen Altwiesloch nicht im Regen stehen lassen“
Das Thema Umgehungsstraße stand am Donnerstagabend im Mittelpunkt der Veranstaltung zur OB-Wahl in dem Stadtteil – Im Bürgerhaus wurde lebhaft diskutiert

Altwiesloch. (oe) Oberbürgermeister Franz Schaidhammer musste vieles aufnotieren bei seiner Wahlkampfveranstaltung in Altwiesloch, denn in der Versammlung wurde lebhaft diskutiert und die anwesenden Bürger Altwieslochs verschwiegen nicht, wo sie der Schuh drückt: Die Themenpalette reichte vom Zustand der Friedhofshalle bis zum fehlenden Geschirr im Bürgerhaus, von der Verkehrsberuhigung der Schillerstraße bis zur Fußgängerampel in der Baiertaler Straße, die nachts besser abgeschaltet werden sollte, weil der Lärm haltender und anfahrender Fahrzeuge die Anwohner aus dem Schlaf reißt. Auch ein Radweg in der Baiertaler Straße und mehr Tempokontrollen wurden angemahnt und es kam die Frage, ob die Parkplätze für das neue Pflegeheim wirklich ausreichen. Das alles stand jedoch im Schatten des einen großen und beherrschenden Themas: der unerträglichen Verkehrsbelastung Altwieslochs und der Frage nach der Umgehungsstraße.

OB Schaidhammer will da die Altwieslocher ..nicht im Regen stehen lassen“. Er nannte es „unmöglich, auf eine Umgehung zu verziehten“, denn dass sich bis zum Jahr 2015 rund 35 000 Fahrzeuge durch den Ortsteil wälzten, sei „unvorstellbar“. Dabei gehe es nicht um Altwiesloch allein, sondern auch um die Kernstadt. Denn die Autos suchten sich auch den Weg durch Wiesloch.
Angesichts der mehr als 40 Jahre, die Altwiesloch bereits auf eine Umgehung wartet, war bei den Anwesenden allerdings auch viel Resignation zu spüren. Von der „Verschleppung“ der Maßnahme war die Rede und von den schlimmen Folgen für den Ortsteil: Der Verkehr habe den Stadtteil kaputt gemacht. Heute gebe es fast keine Infrastruktur mehr, meinte einer der Anwesenden. Und der Stadtteil Vereins-Vorsitzende Dietrich Bajohr flüchtete sich in Sarkasmus: „Wir haben schon fünf Straßen versprochen gekriegt, eine würde uns langen.“
Auch der OB bedauerte die lange Verzögerung. Er hatte sich gewünscht, dass wenigstens schon die Planfeststellung vorliege. Allerdings sei nicht die Stadt dafür verantwortlich. Seinen Worten zufolge ist das Regierungspräsidium (RP) nun aber mit seinen Voruntersuchungen „auf der Zielgeraden“, sodass wohl „in den nächsten zwei Monaten“ die Ergebnisse auf dem Tisch lägen. „Dann geht es um die Wurst“, so Schaidhammer. Der Gemeinderat müsse sich dann für eine Trassenvariante entscheiden. Der schlimmste Ausgang wäre für ihn, wenn sich keine Mehrheit für eine Variante fände. „Dann werden wir alle nicht mehr erleben, dass es eine Umgehung für Wiesloch gibt“, warnte Schaidhammer.
Seinen Worten zufolge hat das RP in einem aufwändigen Verfahren samt Umwelt Verträglichkeitsprüfung sechs mögliche Trassen untersucht. Welche davon die Behörde als effizienteste vorschlage (unter Berücksichtigung von Nutzen, Lasten und Kosten), wisse er nicht. Er selbst sei offen, werde aber „auf jeden Fall dafür kämpfen*1, dass eine Lösung komme. Zugleich forderte er gerade auch die betroffenen Anwohner auf, „sich zu artikulieren“. Eine Möglichkeit dazu wird die Bürgerversammlung bieten, die Schaidhammer vor der Ratsenlscheidung in Altwiesloch durchführen will.
Keinen Hehl machte der OB daraus, dass auch nach der Trassenwahl der Verfahrensweg noch lang sein wird (es folgen Planfeststellung und danach Grunderwerb). Zugleich zeigte ersieh sicher, dass das Land „gewillt ist, etwas zu tun“. Sonst hätte es nicht „eine halbe Million Euro an Planungskosten ausgegeben“.
Bis dahin verspricht sich der Rathaus-Chef auch einiges von der neuen, aus dem Agenda-Prozess hervorgegangenen Verkehrs-Initiative „Move“ (Mobilität bewahren – Verkehr sparen), die durch „weiche Maßnahmen“ wie Mitfahrgelegenheiten. Fahrgemeinschaften oder „einmal die Woche per Bus zur- Arbeit“ die Verkehrsbelastung reduzieren wolle. So verwies Schaidhammer auf den Um-stand, dass statistisch gesehen jedes Auto nur von 1.15 Personen genutzt wird. „Würden in jedem Auto zwei Leute sitzen, wäre das Verkehrsaufkommen praktisch schon halbiert“, so der Rathaus-Chef.
Viel getan hat sich dem OB zufolge bereits beim Öffentlichen Personennahverkehr. So zählt der Stadtbus inzwischen 1,4 Millionen Fahrgäste pro Jahr – eine Zahl, die sich kaum jemand habe träumen lassen. Mehr Fahrgäste erhofft er sich auch von der jüngsten Verdichtung der Buslinie 702 nach Dielheim.
So sehr die Verkehrsprobleme den Stadtteil auch plagen, die Anwesenden fanden auch lobende Worte. So wertete der Stadtteilvereins-Vorsitzende Bajohr das neu gestaltete Denkmal als „Bereicherung“ und eine Bewohnerin der Weiherstraße unterstrich, wie gut es ihr in Altwiesloch gefällt. Lob gab es auch für den OB: Der sei „ein unheimlich engagierter Mann“, meinte einer der Besucher anerkennend zum Schluss der Veranstaltung.


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